Impingement

Das Schultergelenk besteht funktionell aus drei Knochen: dem Schulterblatt (Skapula) mit einer kleinen Gelenkpfanne (Glenoid) und dem Schulterdach (Akromion), dem Oberarm (Humerus) mit einem großen Gelenkkopf sowie dem Schlüsselbein (Klavikula).

Ein Muskel-/Sehnenmantel mit der Bezeichnung "Rotatorenmanschette" sorgt als Steuereinheit für die Zentrierung des Gelenkkopfes in der Gelenkpfanne bei allen Schulterbewegungen.

 

 

Unter dem Begriff Impingement versammeln sich viele Krankheitsbilder, die eine gemeinsame Ursache haben: den Engpass unter dem Schulterdach. Dies kann muskuläre Ursachen haben und/oder durch einen knöchernen Engpass verursacht werden. Die Folge des Impingements ist eine Schädigung der unter dem Schulterdach verlaufenden Strukturen (Schleimbeutel und Rotatorenmanschette).    

 

Ursachen des Impingements

Knöcherner Engpass

Die häufigste Ursache ist ein knöcherner Engpass unter dem Schulterdach z. B. bei hakenförmigem Akromion (Schulterdach) oder bei einem verdickten Schultereckgelenk bei Arthrose.

 

 

Fehlhaltung und Fehlbelastung

Fehlhaltungen, die das Impingement fördern sind z. B. die sog. Inklinationshaltung (nach vorne gebeugt), hochgezogene Schultern und einseitige Körperhaltung am Arbeitsplatz. Dies betrifft zum Beispiel PC-Arbeit und Vorhaltebelastungen mit hochgezogener Schulter. Dabei wird der Oberarmkopf unter dem Schulterdach fixiert, die Kraft kommt aus dem Deltamuskel und nicht aus der Rotatorenmanschette. Diese exzentrische Schulterführung kann zu Schmerzen führen, da Schleimbeutel und Rotatorenmanschette unter dem Schulterdach eingeklemmt werden.
Ein ähnliches Problem haben auch manche Body-Builder und -Shaper. Der Deltamuskel ist übertrainiert und verkürzt. Die Rotatorenmanschette ist im Vergleich dazu zu wenig trainiert. Durch die trainierte Brustmuskulatur entsteht zusätzlich eine Inklinationshaltung. All das führt dazu, dass der Oberarm in der Schulter nach oben gegen das Schulterdach gezogen wird und Sehne sowie Schleimbeutel dazwischen gequetscht werden, also der Impingement-Mechanismus ausgelöst wird.

Laxe Schulterführung

Auch lockere Schultern können - zusammen mit anderen Belastungen - ein Impingement verursachen, da sie anfälliger für exzentrische Bewegungsmuster sind ("Instabilitätsimpingement"). Häufig kommt es zu Tendinosen (Sehnenentzündungen), die vor allem mit Krankengymnastik behandelt werden. Ziel: Haltungs- und Bewegungsschulung, Schulterblattstabilisierung, Kräftigung der Rotatorenmuskulatur und Behandlung schmerzhafter Muskelansätze. Lockere Schultern mit Impingement neigen auch häufig zur Verkalkung.

 

Folgen des Impingements

Entzündung und Schmerzen

Die druckbedingte Entzündung des Schleimbeutels (Bursitis) unter dem Schulterdach ist meist das erste Anzeichen eines Impingement-Syndroms. Typisch sind zum Teil schlafverhindernde Nachtschmerzen und Schmerzen beim Anheben des nach innengedrehten Armes (z.B. beim Einschenken). Man spricht auch vom schmerzhaften Bogen bei 70° bis 120°.

Rotatorenmanschettenruptur

Die Rotatorenmanschette kann aufgrund der mechanischen Belastung auffasern und durchscheuern. Im weiteren Verlauf kommt es oftmals bei alltäglichen Anlässen zu einer Rissbildung und der Ausprägung größerer Defekte.

Knöcherne Veränderungen

Das vordere Schulterdach kann bei chronischem Impingement knöcherne Anbauten ausbilden, die den mechanischen Druck noch verstärken.

Kalkschulter

Die Ursache der Kalkschulter ist nicht endgültig geklärt. Man vermutet jedoch, dass sie eine Folge des Impingements ist. Das Sehnengewebe der Rotatorenmanschette wird durch den Druck in seinem Stoffwechsel gestört und verkalkt.

Arthrose

Eine massive Rotatorenmanschettenruptur bei Impingement führt mitunter zu einer besonderen Form der Arthrose, der sogenannten Defekt-Schulterarthrose oder auch "subakromialen" Arthrose. Eigentlich besteht zwischen Schulterdach und Oberarmkopf keine direkte Gelenkverbindung, da die Rotatorenmanschette dazwischen verläuft. Fehlt diese, kommt es zu knöchernen Veränderungen wie bei einer "richtigen" Arthrose.

Schultersteife ("Frozen Shoulder")

Aufgrund der Schmerz- und Entzündungssymptomatik kann es zu einer massiv schmerzhaften Einsteifung der Schulter kommen.

 

Diagnose des Impingements

Die klinische Untersuchung (Impingement Zeichen), Ultraschall, Röntgenbilder und MRT führen zur Diagnose.

 

Therapie des Impingements

Die primäre Therapie ist Krankengymnastik. Ziel der Krankengymnastik ist es, durch manuelles Aufdehnen der Gelenkkapsel und Behandlung der schmerzhaften Sehnenansätze die Ausweichbewegungen zu beseitigen und einen normalen Bewegungsablauf in der Schulter wieder herzustellen. Dazu wird eine korrekte Körperhaltung vermittelt, die Stellung der Schulterblätter korrigiert und spezielle Muskelgruppen aufgedehnt und auftrainiert. Durch diese Maßnahmen wird der Spalt zwischen Schulterdach und Oberarmkopf vergrößert, so dass für die Rotatorenmanschette und den Schleimbeutel wieder mehr Platz entsteht. Die krankengymnastische Behandlung sollte vorsichtig durchgeführt werden und Schmerzen nicht verstärkt werden. Insbesondere sollten keine Massagen über dem entzündeten Schleimbeutel erfolgen.
Hinzu kommt die Behandlung des entzündeten Schleimbeutels mit entzündungs-hemmenden Medikamenten oder einer Kortisonspritze unter das Schulterdach. Durch die Schmerzreduzierung ist es dann leichter die Schulter normal zu bewegen.

Wenn die konservative Therapie nicht ausreicht, kann mit einer arthroskopischen Operation (endoskopische subakromiale Dekompression [ESD]) ein mechanischer Engpass unter dem Schulterdach beseitigt werden. Dabei wird mit Miniaturinstrumenten ein störender Knochensporn unter dem Schulterdach abgetragen und mehr Platz geschaffen. Nach der Operation ist Krankengymnastik für einen längeren Zeitraum notwendig, um die über Jahre erworbene Fehlsteuerung der Schulter zu korrigieren. Die Operation ist damit nur ein Baustein des Erfolges. Eine Kombination aus Operation und Physiotherapie hat sich bewährt. Der operative Eingriff erfordert in der Regel eine Nacht Aufenthalt in der Klinik. Die Nachbehandlung dauert meist ein bis zwei Monate.
Detaillierte Informationen auch zu den Risiken erhalten Sie gerne bei uns in der
Arthro Clinic Hamburg. Wir freuen uns auf ein Gespräch.

 

Wir wünschen gute Besserung!

Ihr Arthro Clinic Team