Kalkschulter

Kalkschulter (lat. Tendinitis calcarea) Röntgenbild der Schulter mit Kalkdepot

URSACHEN

Die Ursache der Kalkschulter ist nicht endgültig geklärt. Man vermutet, dass sie eine Folge des Impingements (Engpass unter dem Schulterdach) ist. Anstatt aber typische mechanische Schäden der Rotorensehnen zu verursachen, kommt es zu einer Veränderung des Stoffwechsels mit Verkalkung am Sehnen-Muskel-Übergang.

Betroffen sind meist Frauen. Menschen mit lockerer Gelenkführung neigen im Falle eines Impingements mehr zur Kalkschulter als Patienten mit "straffen" Schultern.

Eine Kalkschulter ist nicht zu verwechseln mit einer Verkalkenden Sehnenentzündung. Diese meist reiskorngroßen Verkalkungen entstehen durch Überanspruchung, nicht durch Druck, und liegen typischerweise am knöchernen Ansatz der Sehne.


VERLAUF

Der Krankheitsverlauf einer Kalkschulter ist unberechenbar. Es kann zu spontanen Rückbildungen kommen, zu wiederholten Schmerzattacken (chronische Kalkschulter), aber auch zu einer heftigen, entzündlichen Auflösung (Akutstadium), wie im nachfolgenden Fallbeispiel geschildert.

Eine akute Kalkschulter wird von uns zeitnah behandelt und gegebenenfalls operiert. Es gibt aber auch Patienten, die die Schmerzen durchgestanden haben und nach dem Ausbrennen der Entzündung für mitunter einige Jahre relativ schmerzfrei sind. Ihnen empfehlen wir Krankengymnastik und bei erneuten Schmerzen umgehende Wiedervorstellung.

Chronische, schmerzhafte Verkalkungen sollten bei entsprechender Schmerzbelastung operiert werden und hinterher krankengymnastisch betreut werden.

Mitunter beginnt die Kalkschulter auch schmerzhaft einzusteifen ('Frozen Shoulder').


THERAPIE

  • Krankengymnastik
    Die Krankengymnastik stellt die Basistherapie für die Nachbehandlung und die Vorbeugung von erneuten Verkalkungen dar. In leichten Fällen kann anstelle einer Operation Krankengymnastik alleine ausreichend sein.
  • Injektionen
    Infiltration des Schleimbeutels mit Cortisonpräparaten lindert ggf. die Schmerzen beim mittelschwereren akuten Verlauf. Schwere Verläufe sollten eher operiert werden.
  • Operation
    Arthroskopisch wird das Kalkdepot vorsichtig angeritzt und abgesaugt. Diffus in die Sehne eingelagerter Kalk wird geneedelt (mit der Nadel angestochen), um vom Körper abgebaut werden zu können. Auch wenn ein nach der Operation angefertigtes Röntgenbild mitunter noch Kalkreste zeigt, löst sich der aktivierte Rest meist auf, was durchaus mit Schmerzen verbunden sein kann (meist 2-4 Wochen nach der Operation). 

 

FALLBEISPIEL - akute Kalkschulter

Eine Patientin mittleren Alters klagte schon seit längerem über gelegentliche Schulterschmerzen. Seit einigen Tagen seien sie aber so stark wie noch nie gewesen, vor allem nachts.

Anhand der Untersuchung, einer Ultraschallaufnahme und eines Röntgenbildes stellten wir die Diagnose "aktivierte Kalkschulter" und empfahlen eine baldige arthroskopische Operation. Die Patientin war zunächst zurückhaltend und wollte noch abwarten.
Eineinhalb Wochen später stellte sie sich erneut vor mit unerträglichen Schmerzen. Sie habe seit 4 Tagen kaum geschlafen. Wir nahmen sie umgehend in der Park-Klinik auf, wo sie einen Schmerztropf erhielt. Am nächsten Tag operierten wir sie (siehe Photos).

Blick auf die Rotatorenmanschette nach Entfernung des entzündeten Schleimbeutels (links im Bild).
Rechts sieht man das Coracoakromiale Ligament.
Das Kalkdepot tritt schon fast aus der Sehne in den Schleimbeutel aus.

Angeritztes Kalkdepot, die ersten Krümel treten aus.
Das verwendete arthroskopische Messer ist undeutlich im Hintergrund zu erkennen.

Mit dem arthroskopischen Tasthaken lässt sich der Kalk aus seiner Kaverne herausquetschen.
Er hat eine weiche Konsistenz wie Zahnpasta, was für eine Aktivierung spricht.

Die Röntgenbilder der Patientin vor der Operation. Deutlich ist das Kalkdepot auf dem linken Röntgenbild zu erkennen.

Die Röntgenbilder der Patientin nach der Operation.


In der ersten Nacht nach der Operation schlief die Patientin zum ersten Mal seit langem durch. Für 3 Wochen hatte Sie nur noch leichte Schmerzen in der Schulter. Unter intensiver Krankengymnastik über 3 Monate verschwanden nicht nur die Beschwerden, die Schulter wurde auch durch Haltungsschulung korrekt geführt und insgesamt belastbarer.

Ein Photo von einer anderen Operation: Hier ist der Kalk verhärtet (chronisches Stadium) und macht den Einsatz eines scharfen Löffels zum Auskratzen nötig.